Reisepass

15. September 2005

Am 4. Oktober läuft mein Reisepass ab, ab 1. November gibt es neue Reisepässe:

Ab 1. November enthalten alle in Deutschland ausgestellten Reisepässe erste biometrische Merkmale, die aus dem Passfoto gewonnen werden. Doch damit die Kontrolle der Gesichtsdaten funktioniert, sollen die Deutschen möglichst ernst gucken. mehr…

Nun habe ich die Wahl: entweder sofort einen neuen (alten) Reisepass beantragen, oder bis November warten, 59 € anstatt 26 € zahlen, dafür aber einen neuen Pass mit Gesichtsdatenchip bekommen?
Allein aus Neugier müsste ich noch warten, aber ich denke, dieses Mal siegt der Geiz, zumal ich außerdem beim Foto für den Neuen nicht lachen darf...

19 Kommentare

  1. Nee danke… die Datensammler unterstützen und dafür noch das doppelte zahlen? Also mir fiele die Entscheidung leicht…

  2. If you want to visit the US during the next couple of years, it might be worth waiting for the bio version …
    They will require this as from sometime in 2006 or 2007 (don’t remember the exact date). If you choose the old version now, you might have to buy a new one in 2 years from now.

  3. This is also what Harald Schmidt said yesterday…

  4. Julian Mehnle

    Also, ich habe kürzlich noch einen neuen „alten“ Reisepass beantragt. Der reicht erst mal für 10 Jahre, und der einzige absehbare Vorteil der neuen Passgeneration ist die visafreie Einreise in die USA — aber da will ich eigentlich gar nicht hin, solange ich wie ein potenzieller Terrorist behandelt werde. US-Bürger selbst haben übrigens noch nicht mal einen Personalausweis.

  5. aber da will ich eigentlich gar nicht hin, solange ich wie ein potenzieller Terrorist behandelt werde

    zustimm

    Außerdem:

    <nescafé>
    Isch abe gar kein Reisepass
    </nescafé>
    (noch nie besessen)

    :-)

  6. In die USA will ich auch nicht. Aber dafür nach Südamerika. Und da die meisten Flüge über Miami gehen, kommt man da auch nicht um einen 5-Minuten-Aufenthalt in den USA herum.

  7. Matthias: weißt du dann, ob (oder ab wann) man einen „neuen“ Reisepass haben muss?

    Soweit ich das jetzt verstanden habe, geht’s auch mit dem alten (nicht dass ich das jetzt in den nächsten Tagen vorhätte, aber man weiß ja nie), aber mit dem neuen bräuchte ich denn kein Visum mehr (also z.B. die lustige Befragung am Flughafen, ob ich böse Sachen plane…). Stimmt das?

  8. Julian Mehnle
  9. Holá Nico!

    Hab mir extra vor ein paar Wochen vom Generalkonsulat der USA in München per Mail bestätigen lassen, dass man bis Ende 2006 auf jeden Fall noch mit dem roten, oder wie die schreiben, bordeauxfarbenen Reisepass in die USA einreisen darf, wenn dieser 6 Monate nach Einreise noch gültig ist und man nicht länger als 3 Monate drüben bleibt!

    Nicht, dass mich im November so ein depperter Zollbeamter in L.A. wieder zurück schickt;-)!

    PS: Für unser sensationelles Kitzbühel-Wochenende Mitte Oktober brauchen wir ja zum Glück gar keinen Pass, das ist doch schön!!!!!

  10. Hey Nico,
    nebenbei fällt mir mal wieder das schnittige Design auf, insbesondere hier dieses Formular hat’s mir gerade angetan, das ändert ja die Farbe!! :-)
    Zum Thema:

    Oida Mo, klar nimmst den alten wenn’s irgendwie geht, sobald der biometrische kommt, zieh ich aus Deutschland weg! Oder ich schau wenigstens extrem blöd in die Kamera, oder lass mir einen Tag vorher die Weisheitszähne ziehen.

    Datensammler: ab ins Bett!

  11. Ich versteh gar nicht, dass sich alle so über das „Datensammeln“ aufregen! Ich bin der Meinung, wenn man nichts zu verbergen hat, dann kann es einem doch egal sein! Und wenn biometrische Pässe eine gute Vorkehrung zur Eindämmung von Terrorismus etc. ist, dann ist das doch nicht schlecht! Klar ist es blöd, dass die Pässe dann soviel kosten, aber andererseits geh ich dann einen Abend weniger weg, dann hab ich mir die Kohle gespart und kann mich ein bisschen sicherer fühlen……Meine Meinung!

  12. Jojo, deine Einstellung „wer nichts zu verbergen hat, hat nichts zu befürchten“ ist äußerst naiv. Lies mal ein paar ernste Bücher zum Thema, z.B. „1984“, oder leb mal für eine Weile in China. Es muss eine Unschuldsvermutung geben, d.h. der Staat darf nicht grundsätzlich seine Bürger für verdächtig halten.

    Im Übrigen bist du offenbar auf die Terror-Panikmache hereingefallen, denn maschinenlesbare Pässe mit biometrischen Merkmalen tragen praktisch nichts zur Terrorismusbekämpfung bei. Wenn z.B. pakistanische Terroristen (ohne Beschränkung der Allgemeinheit, no offense, liebe Pakistanis) mit pakistanischen Pässen nach Deutschland oder in die USA einreisen, was hilft es dann, dass alle deutschen Staatsangehörigen maschinenlesbare Pässe mit biometrischen Merkmalen haben? Außerdem ist der Terrorismus zunehmend chaotisch strukturiert, d.h. Anschläge werden von nie zuvor aufgefallenen, teilweise sogar gut integrierten Bürgern verübt.

    Aber vielleicht nimmst du uns ja gerade nur auf den Arm? ;-)

  13. „1984“ etc. habe ich gelesen. Das sind aber Extreme! Klar ist es ein merkwürdiges Gefühl, wenn man auf „Schritt und Tritt“ verfolgt wird. Aber soweit ist es ja noch nicht und so weit wird es auch (hoffentlich) nicht kommen.

    Es gibt aktuell ja viele Möglichkeiten, etwas über Bürger herauszufinden, sei es über das Abhören von Telefonen, Videoüberwachung an zentralen Plätzen oder die Möglichkeit, dass das Bafin und die Steuerbehörden Abfragen über Steuerzahler machen dürfen. Aber alle diesen Dinge dürfen in Deutschland nur dann durchgeführt werden, wenn ernsthafte Verdachtsmomente vorliegen und ich weiß aufgrund meines Berufes nur zu gut, wie schwierig es ist und wie lange es dauert, bis Auskünft an die Polizei, Staatsanwaltschaft oder an die Finanzämter gegeben werden dürfen. In den meisten Fällen wird da sehr detaillierte Nachforschungen und Untersuchungen durchgeführt, bis das okay zur Dateneinsicht gegeben wird. Klar gibt es immer die Möglichkeit des Mißbrauchs, aber größtenteils dient es auch der Allgemeinheit. Oder findest du es z.B. toll, wenn du jeden Monat brav deine Steuern zahlst, am Jahresende vielleicht noch eine Nachzahlung machen darfst und andere keinen Cent Steuren zahlen, weil sie falsche Angaben machen und damit bewusst Steuern hinterziehen?

    Ich bin mir sicher, dass solche Überwachungsmethoden in anderen Ländern (wie z.B. den übriggebliebenen kommunistischen Staaten in dieser Welt) übertrieben und ausgenutzt werden. Das zweifle ich überhaupt nicht an. Aber eine bessere Identifikation aufgrund eines biometrischen Passes tut keinem weh und schadet keinem. Und nach und nach werden in den meisten Ländern dieser Welt diese Pässe eingeführt werden. Selbstverständlich besteht immer die Gefahr eines Terroranschlages, das will ich gar nicht bestreiten, aber man macht es dadurch den Terroristen nach und nach schwerer und das finde ich richtig!

  14. Und nur alleine durch die Einführung und die Pflicht zur Mitführung eines Passes mit biometrischem Datenmaterial erklärt der Staat seine Bürger ja noch nicht für verdächtig! Dann dürfte es auch für keinen Staat der Welt eine Visumspflicht oder Einreiseformalitäten geben, weil da muss man manchmal auch sehr detailliert Fragen beantworten, warum man wann wohin einreisen will, wie man den Aufenthalt finanziert usw….Das hieße also, die Staaten verdächtigen gleich jeden Einreisenden, dass er vielleicht vorhat, sich in diesem Staat niederzulassen!

  15. „1984“ etc. habe ich gelesen. Das sind aber Extreme! Klar ist es ein merkwürdiges Gefühl, wenn man auf „Schritt und Tritt“ verfolgt wird. Aber soweit ist es ja noch nicht und so weit wird es auch (hoffentlich) nicht kommen.

    Das sagt sich leicht, denn irgendwelche Unterschiede zwischen der Realität und solchen fiktiven Visionen wird es immer geben. Der Übergang ist jedoch fließend.

    Wenn öffentliche Plätze wie der Stachus in München mit Kameras überwacht werden, dann kann kaum die Rede davon sein, dass „ernsthafte Verdachtsmomente vorliegen“. Straftaten werden damit erwiesenermaßen auch nicht verhindert, sondern bestenfalls in die nächste, (noch) nicht überwachte Straße verdrängt. Und Terroristen lassen sich von Kameraüberwachung nicht abschrecken, wie wir gelernt haben.

    Deutschland ist im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße Weltmeister im Telefonabhören, und wenn mein Freund X einer Straftat verdächtigt wird, die laut Gesetz eine Telefonabhörung „rechtfertigt“, dann werde ich jedes Mal abgehört, wenn ich mit ihm telefoniere, egal wie unschuldig und unverdächtig ich selbst bin. Du magst das vielleicht als unvermeidbaren Kollateralschaden betrachten, für mich ist das jedoch eine Zumutung!

    Steuerhinterziehung lässt sich — wie Terrorismus — niemals vollständig unterbinden, und dennoch muss man sie natürlich eindämmen. Es stellt sich jedoch die Frage, ob ständig zunehmende Kontrolle das geeignete Mittel ist, um ständig zunehmende Hinterziehungsfreude zu bekämpfen. Vielleicht ist auch einfach nur unser Steuersystem nicht mehr nachvollziehbar genug und wird von zu vielen als ungerecht empfunden. Vielleicht gibt es auch zu viele halblegale Möglichkeiten, Steuern zu „sparen“, indem man sein Geld in Länder bringt, die den deutschen Staat damit torpedieren, dass sie unsere Steuersätze gnadenlos unterbieten (→ internationale Steuerharmonisierung).

    Die Pflicht, beim Reisen meine Fingerabdrücke überprüfen zu lassen (was mit biometrischen Pässen auch ohne Visumpflicht der Fall ist), stellt sehr wohl eine gewisse Pauschalverdächtigung dar. Der Sinn einer Visumspflicht erschließt sich mir übrigens grundsätzlich nicht, denn wie wir gelernt haben, führt sie hauptsächlich zu einem großen Fälschungspotenzial, keineswegs aber zu einer zuverlässigen Überprüfbarkeit der vom Reisenden gemachten Angaben. Warum verdächtigt man noch immer Reisende, sie könnten dem Staat schaden, während man längst alle Grenzen für Finanztransaktionen ohne Prüfung, ob sie dem Staat schaden, gefällt hat?

    Beckstein hat übrigens jüngst vorgeschlagen, im deutschen Internet zentrale Filter einzurichten, um der Regierung unliebsame („gefährliche“) Inhalte von den Bürgern fernzuhalten. Die Parallele zum Vorgehen in China ist ihm dabei nicht aufgefallen, hätte ihn aber wohl auch nicht wirklich gestört.

    Die EU-Kommission und der Rat der EU-Innenminister plant, demnächst alle Telekommunikations-Verbindungsdaten (beim Telefonieren und Web-Surfen) mindestens 6 Monate von den TK-Anbietern speichern zu lassen, damit Strafverfolgungsbehörden (später vielleicht auch Finanzbehörden und wer weiß wer sonst noch) darauf zurückgreifen können. Pauschaler geht die Verdächtigung gar nicht mehr.

    Zur im Frühjahr gesetzlich ermöglichten Kontoabfrage sage ich jetzt mal nichts, das wird das Bundesverfassungsgericht hoffentlich in den nächsten Monaten tun.

    Bei den meisten „Sicherheitsvorkehrungen“ geht es mittlerweile weniger um Sicherheit als vielmehr um passive und aktive Kontrolle der Menschen. Das Vertrauensverhältnis zwischen Bürgern und Regierungen dreht sich immer mehr um.

  16. Passt ganz gut dazu: http://www.heise.de/newsticker/meldung/64320

    @Julian: Grundsätzlich halte ich aber deine Meinung für ein wenig zu extrem. Zur Bekämpfung von Terrorismus und Verbrechen muss auch der „unschludige“ Bürger Daten freigeben. Nur wie viel? Und genau die Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Letztendlich ist es immer eine Fall-zu-Fall-Entscheidung.

  17. Hallo!

    Ich halte mich ja wie bekannt momentan in den USA auf (schoenen Gruss an alle!) und die Einreise ist eigentlich nicht komplizierter als die letzten Male: Ob sie jetzt meine Fingerabdruecke nehmen oder nicht, ist mir relativ egal. Ich frage mich, was sie damit anfangen wollen, aber das wissen sie wohl selber nicht…

    Ich glaube, der Amerikaner an sich hat schon einen weg. Es ist ja immer nur eine Frage der Zeit bis wir jeden Mist, der aus den USA kommt nachmachen muessen und nach deren Pfeife tanzen. Daran aendert sich auch durch eure Diskussion nichts…

    Gruss,
    Thomas

  18. Julian Mehnle

    Thomas, gut für dich, dass es dich nicht stört, wenn man deine Fingerabdrücke abnimmt, katalogisiert, und mit Listen von potenziellen Terroristen und anderen unerwünschten Personen abgleicht. Es gibt aber Leute wie mich, die das mit sich nicht machen lassen wollen.

    Und dass sich in der Welt so wenig ändert, liegt hauptsächlich daran, dass die Mehrheit der Menschen meint, es sei besser mit dem Strom zu schwimmen (egal, wo der hinfließt), da man ja sowieso nichts ändern könne. Offenbar können in einer solchen Welt nur noch Terroristen was verändern, denn die kann man im Gegensatz zu Idealisten und Träumern nicht ignorieren.

    Na, dann lasst euch mal von den Terroristen indirekt vorschreiben, wo und wann ihr euch in ein paar Jahren zur Sicherheitskontrolle melden müsst. Ohne mich. :-P

  19. Ich finde das der Biometrische Ausweis technisch überhaupt noch gar nicht richtig ausgereift ist, wenn man sich auch das ganze Prinzip mit RFID selber einmal hinterschaut, und wie es funktionieren soll und welche Sicherheitsmaßnahmen angedacht sind.
    Da wird wie wild mit der Schrotflinte auf alle geschossen in der Hoffnung den richtigen schon zu treffen, ob dann da mehr unschuldige als „schuldige“ bei sind bleibt aussen vor und wird seit einigen Jahren sehr gerne in Kauf genommen, alles unter dem Deckelmantel der „Terrorismusbekämpfung“

    Und die technischen Spezifikationen für den neuen so genannten „e-pass“ sind ebenfalls mit sehr heisser Nadel gestrickt, das ganze sollte noch eine gewisse Zeit nachreifen, dann wird es möglicherweise besser sein aber unser guter Innenminister wollte sich damit nur profilieren, das wir die ersten sind die so etwas haben.
    Siehe hierzu auch http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,377456,00.html

    Meine Reisepass läuft Ende 2006 aus, aber ich werde noch nächste Woche einen neuen „RFID“ freien Pass beantragen.

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